Was ist Osteopathie?

Die Osteopathie als Diagnose- und Therapiekonzept wurde von dem US-amerikanischen Arzt Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917) begründet.
Dr. Still wollte mit dem Begriff Osteopathie (Osteon = Knochen – Pathos = Leiden, Krankheit) ausdrücken, dass viele Krankheiten mit dem Muskel-Skelett-System, dem Bewegungsapparat in Verbindung stehen und darüber therapeutisch beeinflusst werden können. Der Körper bildet nach Dr. Still eine Einheit. Er fand, dass sich Störungen in einem Bereich auch auf andere Bereiche des Organismuns auswirken können. Verbindungsglied zwischen Bewegungsapparat, inneren Organen, Nerven- und Blutkreislauf und lymphatischem System scheint das erst in jüngerer Zeit mit wissenschaftlichem Interesse bedachte Fasziensystem des Körpers zu sein (Anatomy Trains, Thomas W. Myers).

Dr. Stills Thesen zur Osteopathischen Medizin:

  • Der Körper ist eine Einheit (siehe dazu auch Tensegrity-Modell von Robert Fuller).
  • Der Körper besitzt die Fähigkeit zur Selbstregulierung, Selbstheilung.
  • Struktur und Funktion bedingen sich gegenseitig. (D.h. Veränderungen der Struktur führen zu Veränderungen der Funktion. Veränderungen der Funktion führen aber auch zu Veränderungen der Struktur.)
  • Am Bewegungssystem zeigen sich Funktionsstörungen aller Organe (s.o. Fasziensysteme).
  • Deshalb benötigt ein Osteopath fundierte Kenntnisse über Anatomie und Funktion. (Dr. Still: „Ein Osteopath muß die Form und Lage eines jeden Knochens im Körper kennen, genauso wie jedes Ligament und jeden Muskel mit seinen Verbindungen. Er muß die Blutversorgung und die nervale Steuerung kennen.“ Und: „Unsere 1. Lektion ist Anatomie, unsere 2. Lektion ist Anatomie und unsere 3. Lektion ebenso.“)

Grundlage der osteopathischen Behandlung ist weiterhin ein extrem fein geschulter Tastsinn (Palpationsvermögen). Dr. Thomas Northup, ein bedeutender Osteopath sagte 1938: „An der Art und Weise der Palpation, so glaube ich, hängt der Erfolg oder Misserfolg eines Oseopathischen Arztes”. Dr. Robert Fulford, auch einer der „Großen der Osteopathie“ rühmte sich, ein menschliches Haar unter achtzehn Blatt Papier ertasten zu können (Robert Fulford, Puls des Lebens).

Fazit: Grundpfeiler der osteopathischen Behandlung sind umfassende medizinische und insbesondere auch anatomische Kenntnisse und ein feiner Tastsinn.

Osteopathische Behandlungen haben also Einfluss auf die Funktion des gesamten Körpers (u.a. über Fasziensysteme). Aus diesem Grunde ist die Osteopathie auch eine ganzheitliche medizinische Methode, d.h. der ganze Mensch wird untersucht und behandelt, weil z.B. Schmerzen an der Schulter durchaus ihre Ursache in den Mittelfußgelenken haben können. (Das heißt aber natürlich auf keinen Fall, dass man mit der Osteopathie alle Erkrankungen heilen kann. Ein entzündeter Blinddarm muß lokal und chirurgisch entfernt werden. Hier wäre die ganzheitliche Osteopathie völlig fehl am Platze.)
Behandelt werden Funktionsstörungen des Körpers, die durchaus Schmerzen verursachen, vor allem aber über die Zeit zu Strukturstörungen führen können. Beispiel: Eine Bewegungsstörung (Blockierung) im Fußgelenk führt zu einer geringen Fehlstellung im Bein, damit zu einer Fehlbewegung und Fehlbelastung in der Hüfte und damit möglicherweise zu verfrühtem Verschleiß (Arthrose).

Es gibt eine Vielzahl osteopathischer Behandlungstechniken. Unter anderen sind es:

  • Parietale Techniken (Techniken über den Bewegungsapparat):
    a. Muskel-Energie-Technik MET (Mitchell 1950).
    b. Mobilisationsteckniken mit Impuls (HVLA, Manipulation) und ohne Impuls (Techniken, die v.a. auch in der Chirotherapie und Chiropraktik verwendet werden).
    c. Strain / Counterstrainteckniken (Jones 1960).
    d. Myofasziale Entspannungstechniken (myofascial release, Still 1900 / Ward 1950).
    e. Funktionale Techniken (Hoover 1952 / Johntson / Schiowitz 1990).

  • Viszerale Teckniken
    a. Viszerale Osteopathie (Behandlung zur freien Gleitbewegungen Innerer Organe – Barral 1970).
  • Cranio-sacrale Osteopathie
    a. Craniosakrale Behandlung zentraler und peripherer Nervensysteme (Sutherland 1939 / Barral 1970).

Die Ostheopatische Medizin (mit dem Abschluss D.O.: Doctor of Osteopathie) ist in den USA der allopathischen Medizin (M.D.: Medical doctor) gleichgestellt.

In Deutschland kann man als approbierter Arzt seine Ausbildung mit Abschluss D.O.M (Diplom osteopathische Medizin) zum osteopathisch tätigen Arzt berufsbegleitend bei der Gesellschaft für osteopathische Medizin (DGOM) absolvieren. Die Ausbildung dauert in der Regel 4-5 Jahre und umfasst 732 Ausbildungsstunden.
Andere Schulen für Osteopathie bilden Ärzte, Physiotherapeuten und Heilpraktiker zu osteopathisch tätigen Heilkundlern aus.

Näheres zum Ablauf der Osteopathischen Behandlung finden Sie hier.
Weitere und ausführlichere Informationen zur Osteopathie finden auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Osteopathische Medizin (DGOM).
Informationen über Osteopathie finden Sie auch ganz aktuell bei Stiftung Warentest, Heft 3/2013 vom März 2013.